Das Tauchen
Das Sporttauchen ist eine der schönsten Sportarten. Die Schwerelosigkeit, die Stille und die einzigartige Welt unterwasser hat mich schon in sehr jungen Jahren fasziniert und seit dem nicht mehr losgelassen. Ein Onkel - Berufstaucher - hat uns eingeladen ihn ihn auf einem Tauchgang zu begleiten als ich etwa vier war. Ich wusste ungefähr was auf mich zu kam, denn einige Zeit zuvor hat er ein paar Bilder von seiner Arbeitsstelle gezeigt. Die Geschichten, die er beim Zeigen der Bilder erzählte waren noch spannender als die Bilder selbst - natürlich, welche kleinen Jungen hören nicht gerne "Abenteuergeschichten" - oder war es doch nur Taucherlatein?
Er hatte den Auftrag, eine Gasleitung in einem See zu inspizieren. Ins Wasser durften wir zu der Zeit natürlich nicht, aber es war unglaublich spannend zu beobachten wie er den Tauchanzug überstreifte und die schwere Ausrüstung anlegte. Besonders beeindruckt war ich, als er für etwa eine Stunde im See blieb ohne zum Luftholen an die Oberfläche zurückzukehren. Als kleiner Junge war das ein Abenteuer. In dieser Zeit gab es die ersten Filme von Jaques Cousteau. Jedesmal sass ich gebannt vor unserem alten schwarz-weiss Fernseher. Die Bilder waren tagelang Thema Nummer eins. Wenn es im Sommer zum Zelten nach Spanien ging, musste ich immer sofort ins Wasser. Schwimmen konnte damals noch nicht, aber mit Flossen, Maske und Schnorchel bewaffnet war "tiefes" Wasser kein Problem - na ja, wirklich tief war es anfangs nicht. Natürlich bekam ich auch das damals bei vielen Gleichaltrigen (und auch Älteren) heiss begehrte Buch von Hans Hass "Vorstoss in die Tiefe" (1972 ). Wenn ich heute mal bei meinen Tauchfreunden frage, kennt das Buch fast jeder und verbindet ähnliche Erinnerungen damit. Das Buch hat die Kindheit nicht überlebt. Aber bei eBay habe ich noch ein relativ gut erhaltenes Exemplar gefunden. Wenn ich heute drin blättere kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Viele Jahre später habe ich einen
meiner Cousins wieder getroffen. Wir hatten uns sehr lange nicht gesehen.
Ich war wenig überrascht als er mir von seinem Beruf erzählte
- Berufstaucher. Das Tauchen liegt bei uns eindeutig in den Genen ;-) Den Traum vom Gerätetauchen hat sich 1991 erfüllt. Meine damalige Freundin hat mir zu Weihnachten einen Tauchkurs geschenkt. Der Kurs mit 42 Teilnehmern fand beim ehemaligen Polizeisportverein in Giessen-Pohlheim statt (Sportverein Grün-Weiß Gießen). Die Ausbilder haben uns hart ran genommen - kann man sich denken, wenn man an Polizeisport denkt. Der Kurs lief über einen Monat. Heute würde ich immernoch eine solche Ausbildung jedem anderen Wochenendkurs vorziehen. Erstens ist die Ausbildung wirklich fundiert und zweitens war der Kurs bei weitem preisgünstiger als in allen Tauchschulen in der Umgebung (heute 80,- Euro). Mit dem Kurzzeitgedächtnis kam man bei der Abschlussprüfung nicht weit. Ausserdem lernten wir das Gerätetauchen nicht unter Idealbedingungen, wie das bei Kursen im Urlaub meistens der Fall ist. Ein grosser Vorteil, wenn man an die vielen Warmwassertaucher denkt, die während den ersten Tauchgängen in Binnengewässern in Panik geraten, weil sie mit den Bedingungen nicht zurecht kommen oder Ihre Ausrüstung nur für das Warmwassertauchen ausgelegt ist. Die Folge sind verletzte oder tote Taucher und für das Tauchen gesperrte Seen. Bei den Theorie-Prüfungen wurden wir durch drei Kursleiter beaufsichtigt - fast schon Klausurbedingungen - schummeln war fast unmöglich. Es sind tatsächlich einige durchgefallen. Das habe ich von kommerziellen Tauchschulen noch nie gehört - schon gar nicht von Urlaubskursen unter Palmen. In solchen Urlaubskursen werden die angehenden Sporttaucher nicht selten einfach für zwei Tage vor den Fernseher gesetzt um sich Videobänder anzuschauen. Die Freigewässertauchgänge fanden in trübem, kaltem und dunklem Wasser statt. Erst wenn ein Tauchanfänger mit diesen Bedingungen klar kam wurde der Tauchschein ausgestellt. Ich bin sicher keiner der Taucher, die ihre Limits immer wieder ausloten müssen. Trotzdem halte ich es für wichtig beim Tauchen auch Situationen beherrschen zu können, die beim Tauchen im Urlaub (Viel Platz, Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius und Sichtweiten um 10 Meter und darüber) meistens nicht zu erwarten sind.
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